Interview mit Juerg Vogt VOVOX AG

VOVOX-Gründer und -Geschäftsführer Jürg Vogt im Interview über die ewige Diskussion um das perfekte Kabel und den Unterschied zwischen Studio- und HiFi-Kabeln.

Auf der VOVOX-Webseite findet sich der zentrale Leitspruch „Unser Ziel: Die perfekte Übertragung von Tonsignalen“ – Was bedeutet in diesem Zusammenhang „perfekt“?
Für mich ist die Übertragung von Tonsignalen dann „perfekt“‘, wenn keine Klanginformation verloren geht. Weder soll dem Signal etwas hinzugefügt werden, noch soll etwas auf der Strecke bleiben. Den perfekten Klang an sich können wir jedoch definitiv nicht liefern, aber wir können eine möglichst perfekte Signalübertragung als Hilfsmittel anbieten, damit jeder sein individuelles Klangideal realisieren kann.

Somit ist der perfekte Klang meiner Meinung nach auch nicht messbar, da es stets um ein individuell empfundenes Ideal geht. Wenn wir hingegen die Perfektion der Signalübertragung durch Kabel messen oder hörbar machen wollen, dann geht es immer um eine Relation. Die Qualität der Übertragung von Tonsignalen misst sich demnach immer im Vergleich zu einer Referenz.

In der Vergangenheit hast Du bereits mehrfach Seminare und Vorträge zum Thema „Sind Kabel hörbar?“ gehalten. Was waren die zentralen Aussagen deines Vortrags und welche Erkenntnisse hast Du aus der Diskussion mit den Teilnehmern mitgenommen?
Eine zentrale, wenn auch wenig überraschende Aussage war sicherlich, dass Kabel hörbar sind! Ich hoffe, dass es mir zudem gelungen ist, aufzuzeigen, dass es dafür konkrete Gründe gibt. Obwohl viele der Effekte von Kabeln mit den Gebrauchsformeln der Elektrotechnik nicht erklärt werden können, bedeutet dies nicht, dass diese Effekte Hirngespinste sind. Man darf nicht vergessen: Die Gebrauchsformeln der Elektrotechnik basieren auf einem vereinfachten, theoretischen Modell mit idealen elektrischen Leitern. Werkstoffwissenschaftlich relevante Parameter, wie etwa der Einfluss von Korngrenzen, Oberflächeneffekten oder der Orientierung von Kristalliten im Leitermaterial, werden ausgeklammert. Nach meiner Erfahrung sind diese Parameter aber sehr wichtig, wenn es um die Übertragung von Audiosignalen geht. Wären diese Parameter belanglos, dann gäbe es keine Berechtigung für unsere Kabel.

Wie hat sich die Kabeldiskussion in den letzten Jahren entwickelt? Nimmt das Bewusstsein für den Faktor „Kabel“ allgemein zu?
Ja und nein. Ich denke schon, dass die Diskussion seit der Gründung von VOVOX vor 15 Jahren sachlicher geworden ist. Es gibt heute sehr viele namhafte Musiker und Ingenieure, die aus eigener Erfahrung um die Bedeutung von Kabeln wissen und dies auch kundtun.
Zudem haben wir mit zahlreichen Workshops und der dort vorhandenen Möglichkeit, Kabel richtig zu testen, viel zur Versachlichung der Diskussion beigetragen. Ab und zu habe ich aber auch Erlebnisse, die mich etwas ratlos zurücklassen und mir das Gefühl geben: Wir stehen immer noch ganz am Anfang …

VOVOX Höhrraum auf der SAE-Connvetntion 2015

Sind Kabel hörbar? Der VOVOX-Hörraum liefert Antworten

Im High-end-HiFi-Bereich geben Klangenthusiasten teilweise enorme Summen im hohen vierstelligen für Audiokabel aus, um das Optimum aus ihrer Anlage herauszuholen. Hat die Musikproduktionsbranche hier noch Nachholbedarf?
„Nachholbedarf“ sicher in dem Sinne, dass dem Thema Kabel auch bei der Musikproduktion das nötige Gewicht gegeben werden sollte und die Verkabelung bereits in der Planungs- und Budgetierungsphase miteinbezogen werden muss. Exorbitant hohe Summen muss man dafür jedoch nicht ausgeben. Und den bei vielen HiFi-Kabeln anzutreffenden „Bling-Bling“ dürfen wir uns gerne sparen.

Neben Hifi- und Studio-Anwendern beschäftigen sich insbesondere E-Gitarristen immer wieder mit dem Einfluss von Kabeln auf ihre teils komplexen Setups. Welche signaltechnischen Stolperfallen lauern deiner Erfahrung nach in diesem Bereich, etwa bei der Verkabelung von Pedalboards?
Bei der Verkabelung eines Pedalboards gibt es einen zentralen Aspekt: Die Kabel müssen zuverlässig funktionieren. Das mag auf den ersten Blick banal klingen, doch in der Praxis zeigt sich, dass Patchkabel qualitativ nicht immer über jeden Zweifel erhaben sind. Do-it-yourself-Kabel, bei denen die Kabel nicht gelötet werden müssen, sind durchaus praktisch, können aber im Dauereinsatz für Ärger sorgen. Darüber hinaus fällt auch den besonders strapazierten Steckern eine nicht zu unterschätzende klangliche Bedeutung zu. Aus diesem Grund sind die Signalleiter unserer VOVOX-Klinkenstecker aus Kupfer gefertigt, nicht aus Messing. Dieses und weitere Merkmale bewirken, dass bereits der Stecker an sich zu einem besseren klanglichen Ergebnis führt. Hinsichtlich der Klangqualität möchte ich zudem noch einen grundlegenden Hinweis geben: Man kann den Klang eines Pedalboards auch dann optimieren, wenn nicht durchgängig hochwertige Kabel (z.B. von VOVOX) verwendet werden. Natürlich ist das Ergebnis besser, wenn überall sonorus patch Kabel eingesetzt werden. Umgekehrt ist es jedoch nicht so, dass ein einzelnes Standard-Patchkabel die gesamte Signalkette klanglich limitiert. Eine Optimierung der Pedalboard-Verkabelung lässt sich demnach auch Schritt für Schritt vollziehen.

Pedalboard

Wie alle technischen Geräte, unterliegen auch Kabel technologischen Fortschritten. Welche „Trends“ im Kabelbau erwarten uns in Zukunft?
Komplett neue Trends sehe ich keine. Wir werden uns mit unseren Neu- und Weiterentwicklungen jedoch darum bemühen, das bestehende Konzept zu perfektionieren und auf weitere Anwendungen auszudehnen. Das neueste Beispiel dieses Prozesses sind unsere Lautsprecherkabel für festinstallierte PA-Systeme (VOVOX sonorus drive XL). In der Live-Beschallung blieb das Thema Kabel bisher völlig unbeachtet. Ich selber finde die neuen XL-Kabel wirklich großartig. Und sich den Klangunterschied anhand einer guten PA anzuhören, macht richtig Spaß!

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