Ein Kurzinterview mit dem Produzenten Philippe van Eecke aus Mannheim

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Phil, man hört immer nur: „Der Produzent von Xavier Naidoo“. Erzähl uns bitte einmal kurz, für wen du sonst noch gearbeitet hast.

Yvonne Catterfeld, Orange Blue, Vicky Leandros, Bintia, Carl Carlton, Curse, Söhne Mannheims, Brothers Keepers, Zeichen der Zeit, Yen und Stephan Weidner, um ein paar zu nennen.

Beschränkt sich deine Tätigkeit auf Komposition und Produktion? Wenn nein, wofür wirst du sonst noch gebucht?

Nein. Komposition und Produktion sind mittlerweile zwar meine wichtigsten Tätigkeitsfelder, ich werde aber auch immer wieder für Remixe und Radioversionen von Titeln, für Sounddesign und Arrangement, aber auch als Mixing-Engineer sowie für „reine“ Recording-Jobs und Live- Mitschnitte engagiert.

Erzähl uns doch kurz deinen Werdegang? Wie bist du zur Musik gekommen? Wo hast du die Studioarbeit gelernt?

Meine Eltern sind dafür verantwortlich, dass ich früh mit dem Klavier angefangen habe (später kamen noch Querflöte und klassischer Gesang hinzu). Musik habe ich schon immer viel gehört und gemacht.

Nach dem Musik-Abitur, habe ich mich selbstständig gemacht, Musikwissenschaft studiert und ein Stipendium in Kirchenmusik erhalten. Im Alter von 9 Jahren habe ich an Wochenenden und in den Schulferien in einem großen privaten Klassikstudio angefangen, zunächst die Kaffeemaschine zu bedienen und oft als „Blattlaus“ bei Aufnahmen die Noten umzublättern. Dann wurde ich als Assistent eingesetzt. Ich durfte viel ausprobieren und habe mir viel selbst beigebracht, bis man mich irgendwann für Aufnahmen und komplette Produktionen engagiert hat. Als Freelancer habe ich oft in anderen Studios gearbeitet, habe viele Live-Mitschnitte gemacht. Nebenbei habe ich auch viel Klassik gemastert. Pop-Produktionen und -Kompositionen wurden dann immer mehr mein Haupttätigkeitsfeld. Durch Mundpropaganda kamen in diesem Bereich immer mehr interessante Projekte hinzu.

Wie entstand die Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo bzw. den Söhnen Mannheims?

Vor knapp 10 Jahren lernte ich auf Empfehlung Michael Herberger und Xavier Naidoo kennen. Wir haben uns auf Anhieb so gut verstanden, so dass ich ein paar Monate später mit meinem Studio von Heidelberg nach Mannheim umzog.

Was ist deine Philosophie bei der Arbeit? Wie würdest du sie in einem Satz zusammen fassen?

Alles was der Musik/dem Song gut tut

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Ein neuer Künstler kommt zu dir ins Studio: Wie fängst du an, einen Song mit dem Künstler zu „bauen“? Spielst du fertige Kompositionen vor oder arbeitet ihr Stück für Stück etwas zusammen aus?

Da sind ganz unterschiedliche Herangehensweisen möglich. Es gibt fertige Songs und ich arbeite immer an neuen Songideen, also habe ich immer etwas zum Vorspielen. Es hängt stark von den Fähigkeiten des Künstlers ab, ob man etwas zusammen ausarbeiten kann. Da bin ich offen… Ich liebe es, etwas gemeinsam zu entwickeln. Auch co-writing Sessions finde ich super.

Wenn man sich dein Studio näher anschaut fällt auf, dass du mehrere Sequencer (Logic/Cubase/ProTools) im Einsatz hast. Warum und wofür?

Ich möchte die Liste noch um Reason, Record, Nuendo, Live und Fruity Loops ergänzen😉

Ich finde es einfach inspirierend mit mehreren Tools zu arbeiten. Jedes Programm hat seinen eigenen „Workflow“ und seine Stärken und kann dadurch bestimmte Prozesse extrem vereinfachen und beschleunigen. Außerdem spielt Kompatibilität eine Rolle. In Cubase/Nuendo bin ich am schnellsten. Reason (mit Record) benutze ich gerne unterwegs und zusammen mit Cubase. Logic und Live sind für mich sinnvolle Ergänzungen. ProTools benutze ich z.B. als „realtime Effektprozessor“ und aus Gründen der Kompatibilität. Zu guter Letzt muss auch noch mein Spieltrieb befriedigt werden🙂

Außerdem besitzt du scheinbar stapelweise Analogtechnik. Hat diese in Zeiten der MacPro 8-Cores und immer besser werdender Plug-Ins noch ihre Berechtigung? Benutzt du viel Hardware?

Ja und ja. Aus meiner Erfahrung heraus arbeitet man ganz anders, wenn man auf jede Funktion direkten Zugriff hat. Man ist einfach mehr im Geschehen. In einer Aufnahmesituation hätte ich gar keine Zeit, mir etwas aus einem Menü heraus zu suchen, dass dann das macht, was ich gerade brauche. Ich habe ehrlich gesagt auch noch keinen wirklich gut klingenden „digitalen“ Pre-Amp gehört. Aber auch im Mix benutze ich gerne analoges Outboard zum Bearbeiten meiner Signale.

Nenn uns doch deine fünf analogen Lieblingsgeräte.

Das wird eng: 2108, LA-610, SSL AWS900+, GreatRiver, TG2, 2-LA-2 (uups sind 6).

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Wie bist du auf die UAD-Karte gekommen? Und was hat dir an Ihr gefallen?

Die erste UAD habe ich zuerst in einem d8b benutzt… Wow, das war wirklich der Sound von Vintage Geräten, die ich mir damals nicht leisten konnte! Ich war wirklich begeistert! Also fand bald eine weitere UAD-1 Platz in meinem Rechner. Seitdem muss in jedem Rechner, den ich mir neu kaufe mindestens eine UAD eingebaut werden. Ich finde super, dass die Leute bei UA die UAD Plattform immer weiter entwickeln und weitere Plug-Ins heraus bringen, die wirklich halten was sie versprechen.

Welche Plug-Ins besitzt du für die UAD-Karte?

Mittlerweile alle… Ich möchte keins mehr hergeben!

Mit welchem deiner Sequencer benutzt du die UAD-Karte?

Cubase, Nuendo, Logic, Live (in mehreren Rechnern).

Welche Plug-Ins würdest du dir für die UAD wünschen?

Ensoniq VFX oder SD-1 Synth-Emulation, Schippman Ebbe und Flut Filter, Elysia Kompressor

Nenn uns deine fünf Lieblings-Plug-Ins

Das wird schwer… im Moment sind es: Inserteffekte: Fatso, Cooper Timecube, EMT250, Overloud TH-1 und Waves RenVox. Synths: FXpansion DCAM Synthsquad, Arturia Moog Modular, Arturia ARP2600, Applied Acoustics Tassmann4 und NI Kontakt

Wo wirst du als nächstes zu hören sein?

Ich bin mit drei Titeln auf dem nächsten Xavier Naidoo Soloalbum vertreten. Weitere Produktionen sind in der Pipeline. Mehr kann ich momentan noch nicht sagen. Ich versuche, meine Homepage aktuell zu halten.

Welche Musik hörst du privat?

Eigentlich alles querbeet: Klassik, Hip Hop, Pop, Soul, RnB, Electronic, Rock, Jazz… was mich eben gerade kickt! Nur nicht unbedingt die Sachen, an denen ich gerade arbeite oder die ich gerade abgeschlossen habe…

Abschließend vielleicht noch ein Tipp für alle angehenden Profi-Musiker/ Ingenieure?

Die Sache ernst nehmen, ohne zu verkrampfen. Den Blick auf das wesentliche schärfen. Unbedingt Spaß haben, beim Schaffen wie beim Hören.

Phil, Vielen Dank für das Interview

 

Philippe van Eecke in Internet: www.klangzeuger.de